Hals über Kopf

Apropos verliebt: Gestern war ich lange zu aufgewühlt zum Schlafen, und das lag nicht (nur) am Nachmittag mit Dir, sondern an unserer neuen Mitbewohnerin. Sie ist warm und zugänglich und klug. Sie hat mit Frauen, die häusliche Gewalt erleben, gearbeitet, und mit Sucht“kranken“, womit sie aufgehört hat, weil sie die gesellschaftlichen Stigmata nicht mehr vom Kern ihrer Arbeit, der „Resozialisierung“, trennen konnte. Sie liebt Pflanzen und will töpfern, und sie liest gern und viel, sie hört Dota und ich muss ganz schön aufpassen, sie und mich nicht einzuengen mit all den munter in mir gedeihenden Phantasien von unzertrennlicher Freundschaft bis ans Ende unserer Tage.

Ich mache mir ständig Sorgen, ob sie mich auch mag, und weil sie vorerst nur befristet hier wohnt und die Entscheidung, ob sie länger bleibt, noch aussteht, beobachte ich, ob sie sich wohlfühlt, werte es als Erfolg, wenn sie sich auf der Eckbank gemütlich mit Tee einrichtet und muss mich schwer zusammenreißen, nicht alle Kanten der Wohnung glattzubügeln und vor ihr alle Stolpersteine des Zusammenlebens beflissen aus dem Weg zu schaffen.

Hinterlasse einen Kommentar

Erstelle eine Website wie diese mit WordPress.com
Jetzt starten